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Nürnberger Routenplaner

Habe soeben im Autoradio ein Interview auf Radio Unerhört Marburg gehört. Habe zuerst nicht genau hingehört, weils um eine Neonazi-Demo ging. Erstmal nix ungewöhnliches. Hellhörig wurde ich, als die Route genannt wurde. Die Stadt Nürnberg hat nämlich den Routenwünschen der Veranstalter nicht entsprochen und die Route verändert. Die neue Route führt sowohl an der Synagoge (es gibt eine lebendige jüdische Gemeinde in Nürnberg) und an einem jüdischen Altenheim vorbei. Und als Krönung findet die Abschlusskundgebung auf dem Walter-Rathenau-Platz statt.

Na, wenn das mal nicht originell ist. Fast schon zu zynisch, als dass ich noch drüber lachen könnte.

Ich denke, ich brauche dem nichts hinzuzufügen und verweise hier einfach auf den Artikel von Stefan Niggemeier: Wie BILD Ausländerfeindlichkeit fördert.

Es stellt meine christliche Geduld ordentlich auf die Probe, wenn irgendwelcher rassistischer Pöbel darüber vom Leder zieht, wie schlecht es uns Deutschen und wie gut es „den Ausländern“ doch geht. Das ganze geschieht natürlich vom gemütlichen Computersessel zu Hause aus. Von da lässt sichs am besten Hetzen und nach Standgerichten für die ganze Asylantenbande schreien. Diese Leute sind dann die gleichen Leute, die im Pulk irgendwelche Ausländer durch die Straßen hetzen und hinterher will niemand was gewusst haben. Dabei wird dann auch immer geflissentlich übersehen, dass die Strafgerichte jeden Tag zu tun haben. Laut geschrien wird nur dann, wenn „mal wieder“ ein Ausländer vor Gericht steht. Dann sind sie wieder alle bei der Sache, die Wohnzimmer- und Stammtischrassisten, die eigentlich keine Rassisten sein wollen sondern „die Probleme beim Namen nennen“.

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. Pfui!

Fast hätte ich das Schrägste an unserer Fahrt nach Speyer vergessen. Kurz bevor der IC nämlich den Frankfurter Hauptbahnhof erreichte, ertönte nämlich folgende Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, in Kürze erreichen wir Frankfurt/Main Hauptbahnhof. Wir bitten die Gäste der 2. Klasse auf die Gäste der 1. Klasse Rücksicht zu nehmen und nur die Ausgänge in Waggons der 2. Klasse zu benutzen. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts usw.“

Da hatte sich scheinbar einer der Gäste aus der 1. Klasse beschwert. Ist ja auch unerhört, dass man im Zug immer vom Pöbel belästigt wird.

Auf der Rückfahrt dann allerdings ein etwas freundlicheres Erlebnis: Als wir in der recht vollen S-Bahn von Speyer nach Heidelberg standen, wars mir irgendwann zu doof (nach 4 Std. Museum bemerkt man durchaus seine Füße) und ich wollte mich setzen, suchte also nach einem Platz für uns. Eine ältere Dame räumte ihre Jacke zur Seite und bot uns den Platz an, wir setzten uns dazu. Als ich dann meine Mütze abnahm, griff sie höchsterfreut hinter meine Schulter und meinte mit schwerem, jugoslawischen Akzent: „Aaaach, so scheeene, Haare. Wie der Jesus!“ Und erzählte uns dann noch von ihrem Onkel, der auch so lange Haare gehabt hatte und zusätzlich noch sehr lustig gewesen sein soll. Ein Erlebnis, das man durchaus bei Dennis Auflistung anhängen kann :)

Meine kleine Stadt

Hört sich nach einem Spiel an, ist auch eins. Unter MyMiniCity.com kann jeder, der möchte, eine kleine Stadt gründen. Die hat zunächst nur einen Einwohner, aber durch jeden Klick, den die Seite verzeichnet, kommt ein neuer hinzu, wodurch die Stadt (logisch) wächst und wächst. (Einzige Einschränkung: Jede IP wird nur einmal pro Tag gewertet) Wenn genügend Einwohner da sind, kann man auch noch u. a. die Industrie ausbauen.

Deshalb hier die Aufforderung an alle Leser, einfach hier zu klicken (-> Marbodunum), damit mein kleines Städtchen auch wachsen kann. Für Freunde schlechter Kelten-Anspielungen hab ich einfach meine schöne Heimatstadt einkeltisiert. Und da sage noch einer, Archäologie mache nicht kreativ.

Selbstverständlich landet der Link auch unter „Woandershin“ unter meinen Hyperverbindungen. Also: Fleißig klicken, damit mein einsames Häuschen bald eine hübsche Nachbarschaft bekommt.

Das ganze ist eine lange Geschichte, die schon vor vielen Jahren beginnt, als doodlez, der in einem christlich-konservativen Haushalt aufwuchs, mit der Idee konfrontiert wurde, bei der Gründung eines Gemeindeverbandes der Jungen Union mitzuwirken. Die Idee fand er nicht unbedingt schlecht, allerdings war es ihm zuwider, sich politisch festlegen zu müssen, da er glaubte, das Parteibuch nur im Austausch gegen seine freie Meinung zu bekommen. Außerdem war seine Mutter ohnehin dagegen, wie sie schon über 30 Jahre zuvor dagegen gewesen war, dass doodlez Vater den Ortsverband der Christdemokraten mitbegründete. doodlez Urgroßvater war damals (man darf es wahrscheinlich wörtlich nehmen) im Dreieck gesprungen. Hatte man etwa als Kommunist das Dritte Reich überlebt, nur damit die eigene Brut in die CDU eintritt?!

Wie dem auch sei, die nächsten Jahre verbrachte doodlez in dem Bewusstsein, über der gemeinen Parteipolitik zu stehen und bestenfalls unpolitisch mit leicht konservativem Einschlag zu sein. Dass gleichzeitig die Stimmung gegen die „Sozialistenbande“, die im eigenen Haus herrschte, deutlich anschlug, zeigte sich höchstens in latenter Veralberung von allem, das sich links der Mitte abspielte und erst recht der Leute, die auch noch Mitglied der SPD waren. Dazu kam noch, dass der erste Bundeskanzler, den doodlez wirklich wahrnahm, niemand geringeres als Gerhard Schröder war, der nun nicht wirklich als Musterbeispiel der Sozialdemokratie gelten sollte – nicht zuletzt wegen seinem weniger glorreichen Abgang als leicht beschickerter Randale-Gerd in der sog. Elefantenrunde.

Eine erste Regung im gemütlichen Kokon der Teilnahmslosigkeit ereignete sich, als 1999 ein gewisser Roland Koch mit einer Kampagne gegen den sog. Doppelpass die Landtagswahl in Hessen gewann; mit einer Politik also, die, wie sich herausstellen sollte, typisch für die Wahlkämpfe der hessischen CDU werden sollte. In den nächsten Jahren sollten mehrere Dinge doodlez politische Meinungsbildung beeinflussen: Zum einen, schon während seiner Schulzeit, die in seinen Augen völlig verkorkste Politik der CDU (und streckenweise der FDP)*. Zum anderen musste doodlez zu seiner eigenen Überraschung feststellen, dass er in den meisten Dingen weiter links stand, als er das selbst eingeschätzt hätte.

Die entscheidende Wendung ergab sich im Verlauf des Wahlkampfs vor der Landtagswahl in Hessen 2008. Nachdem er seit dem Wintersemster 500€ Studiengebühren für sein Studium bezahlen soll, zuzüglich der 230€, die es ohnehin schon jedes Semester gekostet hat, was von der Regierung aber geschickt (und wirkungsvoll, wie doodlez eigene Familie beweist) verschwiegen wurde, kam noch der ausgesprochen dreiste Wahlkampf der CDU und ihrer Bettgenossen von der FDP hinzu. Sogar doodlez Mutter sollte bei dieser Wahl nicht für Roland Koch stimmen (Zitat: „So ein Arschloch!“), was auch beweist, dass der hohe Stimmenverlust wohl doch hausgemacht sein dürfte.

So kam es, dass sich doodlez im Januar entschloss, in die SPD einzutreten. Die Ansicht, dass eine Parteimitgliedschaft die eigene Meinung ausschließe, hatte er schon längst über Bord geworfen aber nun war die Regierung nach all den Schoten den letzten Schritt gegangen, der doodlez zum Handeln zwang. Und da er der Ansicht war (und noch immer ist) dass er als überzeugter Sozialdemokrat (als den er sich mittlerweile entlarven konnte) in der entsprechenden Partei am besten aufgehoben sei, um etwas zu verändern, füllte er auf der nächsten Sitzung seines Ortsverbandes die Beitrittserklärung aus und blickt einer hoffentlich aktiven Mitgliedschaft entgegen.

Und so muss nur noch das Parteibuch seinen Weg zu doodlez finden. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andernmal erzählt werden.

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* Eine komplette Liste all der Dinge, die doodlez in all den Jahren an dieser Politik störten und immer noch stören, würde den Rahmen sprengen. Selbiges gilt für die Liste all der Gründe, warum doodlez sich als Sozialdemokraten empfindet.

Nachdem Phrixus sich soeben bereits dazu geäußert hat, muss ich erschrocken feststellen, dass selbiges bei mir auch passiert. Und zwar in deprimierenderem Maße, da ich mehr Views insgesamt, aber weniger Views wegen sinnvoller Dinge habe.

Da mir das ganze dann doch zu deprimierend wird und mittlerweile, so glaube ich, auch vorerst genug Leute gerickrollt wurden, werde ich den entsprechenden Eintrag aus dem öffentlichen Teil meines Blogs entfernen. Die Hoffnung, dass unter all den Beknackten auch jemand dabei sein würde, der wegen der sinnvolleren Beiträge hier verbleibt, hat sich schließlich auch nicht erfüllt. Betrachten wir dieses Experiment also als abgeschlossen.

Abschließend noch die Statistik. Von insgesamt 9.001 Views, die mein Blog bisher zu verzeichnen hat, gehen 7.241 auf das Konto von irgendwelchen Nackedei-Suchern. Was einmal wieder beweist:

Diese Frage wurde mir auf der einzigen AStA-Party, die ich je besucht habe, gestellt, als ich die Musik auf dem SchwulenLesben-Dancefloor als „Scheiße“ bezeichnete. Jetzt sollte man wissen, dass ich, wenn ich erst mal in Partylaune bin, auch mal ganz gern Eurodance höre (eben das, was dort lief). Weder das, noch die Tatsache, dass ich einen durchaus eigenwilligen Humor habe, konnte die junge, kleine, etwas dickliche Dame wissen, die mich sofort in eine Diskussion über Homophobie verwickelte und mir was weiß ich für Probleme mit Schwulen und Lesben andichtete.

Dank diesem Erlebnis und der permanenten Dauerbelästigung durch irgendwelche AStA-Flyer, wie schlecht es doch allen außer weißen, christlichen, heterosexuellen, deutschen Männern an unserer schönen Hochschule gehe, bin ich seit nun fast 3 Jahren mit der ständigen Angst, eine sexistische, homophobe Chauvi-Sau zu sein durchs Leben gewandert. Jedenfalls bis ich diesen Artikel auf Gay West gelesen habe, der mich auch an eben jene Anekdote erinnerte.

Ich mache ja viel mit. Wirklich! Aber irgendwann ist die Grenze des guten Geschmacks erreicht. Sei es nun, weil es dem Sucher offenbar an Respekt mangelt oder dass der Jahrgang 1954 für mich einfach außerhalb dessen liegt, was ich in diesem Zusammenhang gesucht wissen will. Das wiegt sogar die 46 Anfragen nach Nacktaufnahmen einer gewissen Schauspielerin auf.

Aber sehen Sie selbst:

Um Heinz Becker zu zitieren: Tja, was soll ich dazu sagen!

Zitat des Tages III

Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es Buchung.

Dieter Hildebrandt

Falten für den Frieden.

Klingt erstmal wieder nach Schurwollpullovern und Birkenstockschlappen, hat aber damit höchstens zweitrangig zu tun.

Gestern war ich mit zwei Freunden in Speyer in einer ausgesprochen informativen Ausstellung über Kultur und Geschichte der Samurai. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Ausstellung anzuschauen. Sie informiert über ein wichtiges Kapitel japanischer Geschichte und wie dieses Kapitel bis heute Japan beeinflusst, obwohl wie wir ja wissen längst keine Samurai im eigentlichen Sinne mehr existieren. Die Ausstellung beschäftigt sich dabei mit dem Aufstieg der Samurai im frühen Mittelalter bis zu ihrem Ende durch die Meiji-Restauration.

Am Ende wird jedenfalls der Bogen zum modernen Japan geschlagen und was heute noch so alles aus der Zeit der Samurai zu finden ist. Und ganz am Schluss wird man – mit Anleitung – gebeten, einen Kranich zu falten und in einen Korb zu legen. Die gesammelten Kraniche werden dann als Bündel an entsprechender Stelle aufgehängt. Für nähere Informationen schaue man bitte hier nach: >klick!<

Reingekommen sind wir übrigens (um mal zu prahlen) für umme, da wir „auf Empfehlung“ des Direktors, der als Privatdozent unser Seminar über Stadtarchäologie hält, da waren. Wir sollen aber auf jeden Fall sagen „der Eintritt war kostenlos“ und nicht „die Ausstellung war umsonst.“ Die ist nämlich auf jeden Fall wert, gesehen zu werden. Besuchen kann man die Ausstellung noch bis 5. Oktober im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.

P.S.: Ich will eine Maschine, die die Bedürfnisse von Zimmerpflanzen in menschliche Sprache übersetzt.

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