Geraude läuft im Fernsehen die Truman Show. Die meisten werden das Prinzip kennen: Jim Carey lebt in einer kleinen Stadt, alle um ihn herum sind Schauspieler und sein ganzes Leben wird mit Kameras verfolgt und bildet den TV-Spaß einer ganzen Nation. Und obwohl ein ganzes Leben nur eine Show ist und er im Grunde genommen keine wirkliche Existenz hat (die Macher schrecken ja auch nicht dafür zurück, ihn schwerst zu traumatisieren, damit er die Stadt nicht verlassen kann), geht am Ende alles relativ gut aus.
Was hier als launige Komödie daherkommt, wurde bereits vor 40 Jahren etwas anders angegangen. Der Kenner weiß bereits worum es geht. Der Vergessene Schatz für heute ist: The Prisoner, in Deutschland ausgestrahlt als Nummer 6.
Fassen wir den Plot zusammen: Ein Geheimagent quittiert ohne Angabe von Gründen seinen Dienst und fährt direkt nach Hause, um seine Koffer zu packen. Dort wird er betäubt und als er aufwacht, findet er sich nicht mehr in London wieder, sondern in einem Dorf. Die Einwohner dort tragen keine Namen, sondern Nummern und niemand gibt dem Protagonisten Auskunft darüber, wo er ist (außer „In the Village“) oder wie er das Dorf verlassen kann. Das Telefon, das er findet, hat keine Wählscheibe oder Tasten, nur einen einzigen Knopf. Die freundliche Stimme am anderen Ende fragt ihn nach seiner Nummer und als er ihr keine nennen kann, wird die Verbindung mit den Worten „No number, no call“ unterbrochen.
Als er wieder in „sein“ Haus zurückkehrt, erwartet ihn ein Anruf, der ihn in das Haus auf dem Hügel bestellt. Dort trifft er auf das momentane Oberhaupt des Dorfes, Nummer 2. Die Aufgabe von Nummer 2 ist es, herauszufinden, warum Nummer 6 (unser Agent), seinen dienst quittiert hat. Das komplette Dorf ist mit Kameras überwacht und ein Entkommen ist nicht möglich, obwohl es Nummer 6 immer wieder versucht. Auf der anderen Seite gelingt esNummer 2 trotz kreativster Mittel nicht, die gestellte Aufgabe zu erfüllen, weshalb in fast jeder Folge eine neue Nummer 2 auftaucht.
Durch ihre surreale Handlung bietet die Serie bis heute noch verschiedenste Interpretationsansätze, die ich allerdings dem geneigten Zuschauer überlassen möchte. Das Hauptthema ist die Überwachung des Einzelnen und der Gemeinschaft. Nummer 6 weiß nie, ob die Leute um ihn herum nun Schauspieler oder Mitgefangene sind. Durch die zentral gesteuerte Dauerüberwachung steht das Dorf auch unter vollständiger Kontrolle durch die jeweilige Nummer 2. Das einzige, was Nummer 6 diesem System entgegensetzen kann, ist sein eigener Wille, sich zu widersetzen. So werden geistbeeinflussende Drogen, gesteuerte Träume, Doppelgänger und ähnlichs eingesetzt, was jedoch alles nicht anschlägt.
Die Serie wurde entwickelt von Patrick McGoohan (unter anderem bekannt als Edward I. in „Braveheart“), der auch die Hauptrolle spielt. The Prisoner wurde in England kontrovers diskutiert und McGoohan musste das Land nach der letzten Folge vorerst verlassen.
Aufgenommen wurde die Serie in dem walisischen Dorf Portmeirion, das für diese Zwecke nicht groß verändert werden musste. Die Kulisse des Dorfes wird auch heute noch für Treffen von Fangemeinschaften der Serie genutzt, wie zum Beispiel der internationalen „Six of One Society„. Angelegt wurde der Ort zwischen 1925 und 1975 von Sir Bertram Clough William-Ellis, der dafür Teile von zum Abbruch bestimmten Gebäuden sammelte. Seit der Gründung ist das Dorf eine Hotelanlage.
Um jetzt nicht den Eindruck zu hinterlassen, ich würde The Truman Show nur für einen Aufguß halten, sei noch gesagt, dass dieser Film, anders als die Serie, von einer Person handelt, die seit ihrer Geburt in einem Terrarium gehalten wurde und von einem Regisseur, der sich selbst als Gott inszeniert. Also eine durchaus kritische Sicht auf das moderne Unterhaltungsverständnis und Reality-TV.
Eine Kurzbiographie von Patrick McGoohan folgt.
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