Im StudiVZ lief mir folgende Gruppenbeschreibung über den Weg:
Wacken ist zu voll - Und das ist auch gut so!
Ist doch echt so - Was geht mit den ganzen Leuten ab, die immer über den “ach so furchtbaren” Zustand vom W:O:A jammern, weil ja “viel zu viele” Leute hinfahren und’s deshalb nicht mehr trve ist? Übrigens symptomatisch für solche Leute ist ein Hang zu Power Metal, heisst, das sind gleichzeitig die Leute, die auf Wacken wer-weiss-wie teure Riesenbands wie Whitesnake, die Scorpions, WE und was weiss denn ich haben wollen. Hallo? Wer bitte organisiert ein Festival, wo solche Bands dann vor maximal 1000 Leuten spielen? Beides gleichzeitig könnt ihr nun mal nicht haben. Ausserdem ist Wacken umso voller, umso besser - Wer auf die Gesellschaft von 60000 volltrunkenen Irren verzichten kann, soll eben daheim bleiben - Diese Gruppe sagt: Umso voller, umso besser! Denn in umso mehr völlig unvorhersehbare und wahllose Situationen kann man schließlich stolpern. Wir sagen: Unser Festival soll schön voll bleiben, denn wir lieben es so wie es ist!
Eigentlich soll man ja bei solchen geistigen Flatulenzen kein Öl ins Feuer gießen, aber da ich kaum glaube, dass der/die Gruppengründer morgen hier vor der Tür stehen, tu ich’s trotzdem. Also:
1.) Die Leute, die das W:O:A für “zu groß” halten, dürften sich wohl mit denen, die diese Ansicht für total scheiße halten, die Waage halten. Im Vergleich zur großen Gruppe derer, denen die Besucherzahl schlicht und ergreifend Wurscht ist oder die große Festivals sehr gern haben, ist sie sogar verschwindend gering.
2.) Power Metal ist etwas anderes als Whitesnake oder Scorpions. Diese beiden Bands fallen unter Hard Rock oder “klassischen” Heavy Metal, aber ganz bestimmt nicht Power Metal.
Dementsprechend dürften es neben Power Metallern auch ganz andere Leute sein, die gern Whitesnake und ähnliches sehen möchte.
3.) Kämen die Scorpions und Whitesnake auch ganz gut damit zurecht, wenn sie vor 20.000 oder 30.000 Leuten spielen müssten. Das machen die oft genug und ich glaube, auch auf dem W:O:A dürften ungefähr so viele Zuschauer bei den entsprechenden Bands anwesend sein und nicht all die 60.000 volltrunkenen Irren.
4.) Es dürfte wohl auch auf großen Festivals Leute geben, die nicht unbedingt nur saufen wollen. Vielleicht gehören diese, zu denen auch der Autor gehört, zu einer Minderheit, aber auf einem Festival mit 60.000 Besuchern wird es keine 60.000 volltrunkene Irre geben. Die gibt es vielleicht auf dem Weltkonvent der manischen Alkoholiker, aber nicht auf dem W:O:A.
5.) Power Metallern ist alles zu untrue? Ich glaube, das sind doch eher ganz andere, die einen überhöhten Wert auf ein lächerliches Attribut wie Trueness legen und denen es nicht elitär genug sein kann.
6.) Euer Festival? Euer Festival? Eure Gruppe hat noch keine 20 Mitglieder, aber es ist euer Festival? Was ist denn dann mit den 59.980 anderen Festivalbesuchern? Haben die sich nach euren vorstellungen zu richten? Macht doch mal euer eigenes Festival auf, da kann man dann den ganzen Tag besoffen durch die Gegend stolpern und wer nüchtern ist, kommt nicht rein. Mal sehen, wer kommt.
So, Ranting aus.
Zur Trueness-Debatte
Welcher Metal-Fan hat es nicht schonmal gehört, das böse Wort mit T. Gern in Formulierungen wie “Oah, wie untrue.” oder “True Norwegian Black Metal”.
Um den Begriff auch für Laien verständlich zu machen: Trueness ist in der Metalszene das, was in anderen Bereichen gern Integrität oder auch neudeutsch Credibility genannt wird. Nur wer true ist, gehört auch dazu. Was true ist? Tja, da scheiden sich die Geister. Falsett-Gesang oder Growling? Verspielte Gitarren oder lieber simples “Geschrammel”? Auf jeden Fall lange Haare, oder? Wie ist es mit Kutten? Zu kitschig? Zu altmodisch? Doch lieber einen schlichten Burzum-Aufnäher an den Rucksack gehängt?
Der Autor zählt übrigens zur großen Gruppe derer, die eine Diskussion als beendet betrachten, sowie das Wort “true” auch nur auftaucht. Ab diesem Zeitpunkt ist das Niveau nämlich dahin und man bewegt sich auf der geistigen Höhe von Bauklötzchenwerfern.
Die Problematik führt übrigens direkt zur Frage der Toleranz innerhalb der Szene. Gerade der Autor als Freund von “klassischem” Heavy Metal wie Judas Priest und Iron Maiden, aber auch von Power Metal wie Helloween, Stratovarius oder Edguy sieht sich immer wieder äußerst stichhaltigen Argumenten wie “Eierquetsch-Scheiße”, “Eunuchen-Metal” oder “braucht kein Mensch” gegenüber. Besonders amüsant fand ich es, als ich in Wacken von hinten den Ruf “Oah, Masterplan, die Schwuchteln” vernahm. Super. Warum? Reite ich vielleicht die ganze Zeit darauf herum, dass sich die Lieblingsbands der entsprechenden Dummschwätzer anhören wie eine Horde Wildschweine oder als würde jemand aufgespießt?
Vermutlich bin ich einfach geistig schon zu alt und werde langsam von der “modernen” Welle des schnelleren-härteren-böseren Metal überrollt. Wird der bierbäuchig, langhaarige, Kutte tragende Metaller bald von kurzhaarigen, pickligen Mamasöhnchen mit Hate Crew Shirts ersetzt? Früher galt Bon Jovi als Poser, heute wird man schon schief angeschaut, wenn man Iron Maiden hört. Vielleicht sind die goldenen Zeiten wirklich vorbei. Vielleicht gings auch schon immer so zu. Vielleicht hab ich auch einfach nur eine schiefe Wahrnehmung.
Es ist übrigens nicht unbedingt einfach, einen solchen Artikel ganz ohne eigene Vorurteile zu verfassen. Im Grunde kann man die ganze Sache nur mit einer passenden Zeile aus “Wachturm” von Sodom beschließen:
Was für’n Quatsch, leck mich am Arsch!
In diesem Sinne
Stay Heavy!
und wenn hier ueberhaupt einer das recht hat, sich als poser bezeichnen zu duerfen bin ja wohl ich das
ansonsten hast du da meine volle zustimmung, besser haette ich das alles auch nich sagen koennen
Dazu kann ich nur sagen: D’accord!
Als Liebhaber von US-Power Metal, der auch gerne mal guten 70er Rock hört und der kein überragendes Rock/Metal-Album kennt, das in den letzten fünf Jahren erschienen ist, kann ich dir nur zustimmen. Mich würde man wahrscheinlich auch als untrue und altmodisch bezeichnen. Na Und? Die ganze Trueness-Debatte ist sowieso Blödsinn. Es gibt gute Musik und es gibt schlechte Musik. Punkt. Und das liegt im Ohr des Hörers. Fakt ist jedoch, dass in den letzten Jahren der Metal an Qualität verloren hat. Selbst gestandene größen wie Metallica sind im Sumpf versunken und liefern mit ihrer Platte ‘St. Anger’ ein Werk ab, das in meinen Ohren eine Frechheit ist.
Auf der einen Seite scheint Härte ein Ersatz für gutes Songwriting geworden zu sein. Auf der anderen Seite sollen extrem hohe Voals anderweitige Mängel überdecken. Wenn das true ist, dann bin ich gerne untrue.